Arbeitsgruppen 

„Wer nicht denkt fliegt raus.“ (J. Beuys)

Prologomena für eine „aufbrechende“ Jugendkultur.
Chancen, Aufgaben und Funktionen für das „Kulturnetz“.

Mit dem „Kulturnetz“ die Jugend unserer Stadt Kassel einfangen oder was oder wie?
Ich drauf am Handy: „Keine Ahnung!“

 Die Kultur vieler Jugendlicher dieser Stadt ist Überlebenskunst! Und zwar als Piccos, Tussis und Honks. Was wissen wir Alten schon von den Komödien dieses „Survival of the fattest“. Was würden die Herren Knigge, G, Forster, Hölderlin, J. Paul und die um grausige Ratschläge nicht verlegenen Grimms dazu sagen. Alle lebten Kassel im Alter zwischen 20 und 30 J. als sie sich von den Alten auch nichts mehr sagen lassen wollten. Aber wer kennt in Neu-Holland (!) und am Mattenberg diese Namen. Muss man die heute kennen? -
Jugend in Kassel das ist Geige, Jugend- TV, Graffiti, Big Band, „Spot“, Rudern, Hip-Hop, Basketball in der Goetheanlage, Schultheater, Kampfsport, Slam-Poetry, Streetaktivitäten, Hall of Fame, Bolzturnier, Party, Abhängen und chillen und chatten , Internetpartys, „Jugend Forscht“ auch und vor allem nach Lehrstellen und Hartz IV- Überlebenschancen.
Jugend in Kassel das ist Sex and Drugs and Rock´n-Roll . Jugendarbeitslosigkeit und Kinderarmut... die Zahlen sind bekannt.
Was haben die Alten „in Kassel zu bieten:
Bildung...        Kultur...        Ästhetische Erziehung:
Die Jugend möge sich doch bitte – soll, darf, kann, will, aber muss nicht – artikulieren-
Welche Anmaßung: Wir sagen Euch wie es geht und wollen auch noch Dein Bestes.
Beste Antwort: Das Beste...? Das gebe ich nicht raus!
Na ja, die Ur- Ur- Enkel Weizsäckers vom Reichs- Appelations- Gericht soweit sie von den Bildungs-Leuchttürmen erhellt werden, werden es schon noch wissen.
Aber Samson aus Addis Abeba, Marina aus Sizilien und Valentina aus Russland? – meistens: Keine Ahnung!

 

Das Banale ist das Radikale

Förderung der Jugendkultur in Kassel – ein stadtgesellschaftlicher Aufbruch für eine neue Jugendbewegung ist zuerst und vor allem
Bildung und Ausbildung

 

 

Wo will der Kultur- Aufbruch hin?

Von der Residenzstadt zur Senioren- Residenz
oder
Kassel: Jugendhauptstadt Deutschland.

Soll das ein Witz sein: Ja! –
Kindheit und Jugend das ist Eigensinn und Heiterkeit.
Für witzige, kreative verrückte, selbstverwaltete Projekte brauchen Jugendliche Gelassenheit, Akzeptanz und respektvolle Unterstützung und öfter auch ein bisschen “Taschen- Geld“.

Jugend- Kultur- Fonds

 

Das „Kulturnetz“ könnte mit einem Jugend- Kultur- Fonds ein wenig zur Akzeptanz von Jugend- Kultur- Aktivitäten und (finanzielle) Selbstständigkeit beitragen.
Konkret:
Circa 5000,-€ jährlich für freie Projekte wären ein schöner Anfang. Das ist nicht viel aber auf jeden Fall mehr als der gewöhnliche erzieherische Pathos: Wünschenswert ohne den üblichen Verwaltungsaufwand. Eine gute Investition in die Zukunft.

Hilmar Hoffmann: „Zukunft ist ein kulturelles Programm.“
Für diese Zukunftsinvestitionen brauchen Jugendliche keine paternalistischen Patenschaften: Das „Kulturnetz“ kann zum Beispiel durch den Kulturfond ein wenig dazu beitragen, das nicht von oben herab „Raum gegeben wird“ oder ein „Rahmen geschaffen wird“ oder ähnliche Gnadenakte für Spielwiesen Verortungen und  Verordnungen.

Aufklärung und Humanität sind der Rahmen, den sich Bildung und Kunst als stadtgesellschaftlicher Aufbruch seit Jahrhunderten selbst geschaffen haben. In dieser Tradition könnte an  die Jugend ein voraussetzungsloses (nicht bedingungsloses) Angebot gemacht werden, zur kreativen Gestaltung von humanen Beziehungs- Möglichkeiten:
Ein freier Austausch von schöpferischen Individualitäten und Eigenheiten.
Jugendkultur mit kulturvollem Eigensinn.
Und schließlich können wir fragen, ohne das Kulturarbeit zur Sozialarbeit sich „aufbläht“: Was ist ein gelungenes Leben in Kassel?
Warum soll ich als Jugendliche / Künstlerin in Kassel bleiben? Als Facharbeiter oder Hochschulabsolvent? Gelungenes Leben in Kassel, wie definiert die Jugend das selbst?

 

Wettbewerb

Wie wäre es, wenn das Kulturnetz mit anderen Kooperationspartnern einen Wettbewerb für Jugendliche ausschreibt, nicht mit dem sozialwissenschaftlichen Ziel, etwas über jugendliche Identitäten zu erfahren, sondern die Jugendlichen sich selbst definieren zu lassen: Wie sie ihr Leben und ihre Lage, Geschichte und Zukunft in Kassel einschätzen. Kurz ihre Kasseler Identität.

Es können durchaus Preise vergeben werden, aber wichtiger ist es, einen kulturellen Prozess anzustoßen, der auch vor Brüchen und Widersprüchen jugendlicher Identitätsbildung nicht zurückschreckt. Auch dann nicht, wenn Identität für Jugendliche in der Gegenwart Nicht- Identität und Orientierungslosigkeit bedeutet.

Sollte das „Kulturnetz“ diesen Wettbewerb Jugend Macht Kassel ausloben, dann sollte allerdings klar sein, die Jugendlichen formulieren und definieren Ziel und Inhalt selbst.

Dies könnte auch Teil der Vorbereitung eines europäischen

Rapfestivals von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sein wie es bereits beim „Wettbewerb Kulturhauptstadt“ vorgeschlagen/aufgezeigt wurde.
Schließlich und ganz praktisch als nächste Aufgabe: Das „Netzwerk“ berät Jugend- und Kulturamt bei der Entwicklung eines Service im Netz alle Jugendangebote (incl. Sport) dazustellen und durch Nutzerkommentare (Blogs) zu aktualisieren und zu verbessern.

 

März 2006

Henner Stang
Unter der Mitarbeit von
Gisela Best
Christopher Vogel