Archiv 

Marianne Schoppan und Udo Posch

Im Interview: Marianne Schoppan und Udo Posch

 

Was ist das Besondere an Kassels Kultur?
Wie haben Sie die vergangenen „Kultur“- Jahre hier erlebt?

Ich bin 1982 aus Berlin in diese Region gekommen. Fand dann Kassel gar nicht so provinziell, wie ich befürchtet hatte. Beispielsweise erinnere ich mich an festival-ähnliche Spielzeiteröffnungen im Staatstheater mit vielen spannenden Aktionen und Interaktionen. Kassels Spannungsfeld zwischen Provinz und Weltkunst (documenta) ist heute vielfältig. Die Stadt ist groß genug um Neues zu entdecken, klein genug um den Überblick zu behalten. Weiterhin spannend sind die Verbindungen zwischen institutionalisierter Kultur und freier Szene.

Etwas Besonderes sind für mich künstlerische Ereignisse, die Kassel als Ort einbeziehen, wie zum Beispiel das Projekt „Lichte Wege“ oder das Aktionstheater im Ballhaus. Mich interessieren auch Theaterereignisse, die über das reine Menschentheater hinausgehen, übergehen in Theater ohne Sprache, Objekttheater und Figurentheater.

Aus welchen Grund sind Sie Mitglied im KulturNetz geworden?
Welche Wünsche haben Sie heute an den Verein?

Die Bewerbung Kassels zur Kulturhauptstadt führte zu einer Aufbruchstimmung in der Kulturszene. Wie viele andere sah ich in der Gründung des KulturNetzes ein Bündeln der Energien nach dem Scheitern der Bewerbung. Die Kultur in dieser Stadt sollte durch eine professionelle Vertretung aufgewertet und die vielfältigen kulturellen Aktivitäten vernetzt werden.Bis heute bleibt mir aber das Ziel des KulturNetzes unklar. Ich sehe als Problem, dass das Personal und die Infrastruktur des Vereins eher in der Nähe der etablierten Kulturinstitutionen angesiedelt sind und weniger bei der „freien“ Kulturszene unserer Stadt. Doch gerade freie Künstler bedürfen einer stärkeren Unterstützung, damit deren Stimme besser gehört wird. Konkret wünsche ich mir vom KN mehr Sensibilität und Zugehen auf Künstler, die betroffen sind, wenn es um Entscheidungen wie beispielsweise einer neuen Nutzungskonzeption für das DOCK 4 geht.

Welche Visionen oder Wünsche haben Sie für die Kasseler Kultur?

Mein Wunsch ist, dass in Kassel mehr in Erscheinung tritt, was die Migration verschiedener Menschen mit sich bringt. Das macht die Kultur dieser Stadt reichhaltiger und vielfältiger, denn Kultur ist immer die Auseinandersetzung mit dem Anderen und braucht eine Befruchtung von außen. Ich selbst mache aus der Erfahrung mit interkulturellem Publikum auch zweisprachiges Puppentheaterstücke in deutsch und türkisch, um diese Realität widerzuspiegeln.

Noch ein ganz konkreter Wunsch: Es möge gelingen aus dem DOCK4 ein lebendiges, kreatives Haus zu machen, dass dem Kasseler Figurentheater und all den anderen Theater-, Tanz- und Musikgruppen angemessene Räume und Ausstattung bietet. Seit 1991 steht die Existenz des Hauses als Produktions- und Aufführungsstätte für diese Gruppen immer wieder auf dem Spiel. Es wurde hier jahrzehntelang nur gekleckert, jetzt wäre es an der Zeit zu „klotzen“.

Im DOCK 4 weisen zur Zeit „Fensterbilder“ auf die aktuelle Aufführungsreihe „Spiel mit Licht und Schatten“ hin - auch um mehr Transparenz und Öffnung nach außen zu zeigen.

 

Das Gespräch führte Udo Posch