Hinweise 

Der Künstler Olu Oguibe

Schon während der documenta14 wurde der Künstler mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel ausgezeichnet, ein Preis, der seit 1980 an Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen wird. 

Zur Begründung der Preisverleihung wurde von seiten der Stadt Kassel betont, dass Olu Oguibe sich in seiner Kunst immer wieder und in unterschiedlicher Weise mit Flucht und Migration beschäftigt habe, dass seine Arbeiten brennende Fragen und Themen der Gegenwart aufgreifen und er sie insbesondere durch seine Formgebung in historische und aktuelle Zusammenhänge stelle.

Der Künstler Olu Oguibe gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten afrikanischen Künstlern, daneben aber auch zu den wichtigen Kommentatoren und Interpreten afrikanischer Kunst. Er selbst hat als Kind die Traumata des Biafra-Krieges und die daraus resultierende Vertreibung erfahren. Diese ungeheure menschliche Tragödie hat sein soziales Ich geformt und stellt eine wichtige Triebfeder für seine künstlerische Arbeit dar. Heute lebt Olu Oguibe in den USA.

Warum die Form eines Obelisken?

Olu Oguibe bemerkte auf die Frage, warum er für sein Monument die Form eines Obelisken gewählt habe, der Obelisk sei ein afrikanisches Symbol, das von den Kolonialherren geraubt wurde, um es als ein Sieges- und Herrschaftssymbol in ihrer Heimat aufzustellen. Er übergebe nun als Afrikaner den Europäern in freier Entscheidung einen Obelisken in Anerkennung ihrer humanitären Leistungen, aber er verweigere den Herrschaftsgestus, indem er den Obelisken dezentral platziere. "Traditionell ein herrschaftliches Zeichen, weigert sich dieser Obelisk, die königliche Mitte des kreisrunden Platzes zu besetzen und konterkariert durch diese Dezentralität subversiv jeglichen absolutistischen Machtanspruch", erklärte der Vorsitzende des Kuratoriums der Arnold-Bode-Stiftung bei der Preisübergabe.

"Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt"

Englisch
Deutsch
Türkisch
Arabisch

Es gibt verschiedene Überlegungen, wieso das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium in dieser Forumlierung in keiner deutschen Bibelübersetzung zu finden ist und was die Auswahl der Sprachen beeinflusst haben könnte.

Denkbar wäre diese Erklärung (als eine unter vielen möglichen):

Olu Oguibe lebt in den USA und spricht Englisch. Und tatsächlich findet sich der englische Text so in einer englischen Bibelfassung. Choristen der documenta14 berichten: der englische Text wurde von MitarbeiterInnen der documenta ins Deutsche, Türkische und Arabische übersetzt. Nicht bibeltreu, sondern künstlerisch frei.

Das würde den englischen Text sozusagen als das "Original" erklären. Die deutsche Übersetzung wäre die Geste an die Gastgeber der documenta14, der türkische die Reminiszens an die vielen türkischstämmigen Bewohner Kassels und der arabische die Reminszens an die vor den Kriegen in arabischen Ländern Geflüchteten.

alle Fotos: C. Suthorn, commons.wikimedia

 

 

Kassels Tradition in der Aufnahme und Integration von Fremden

Die Aufnahme und Integration von Fremden hat eine lange Tradition in Kassel und Nordhessen:
Im 17. Jahrhundert lud Landgraf Karl hugenottische Flüchtlinge nach Kassel ein, die schnell fast 20% der Kasseler Bevölkerung ausmachten. Nach dem II. Weltkrieg kamen Vertriebene, später Arbeitsmigranten für die Kasseler Industrie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kamen Russlanddeutsche und Menschen jüdischen Glaubens aus den Gebieten der ehem. Sowjetuniion. Heute zieht die Universität Kassel viele internationale StudentInnen an, und Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten suchen in Kassel Schutz.